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Auszug aus der Erinnerungsschrift zum 100 jährigen Bestand des Bienenzüchtervereins Bad Goisern - zusammengestellt von Josef Stieger

Bienenhaltung hat es in unserem Tale schon seit ältesten Zeiten gegeben, daran ist kein Zweifel zu hegen. Schon als einst zur sogenannten Hallstattzeit der bergmännische Salzbergbetrieb emporblühte, werden die Siedler im Trauntal, die zweifellos vorhanden waren, mit ihren Landwirtschaften auch die Imkerei gepflogen haben.

 

Auch in den Siedlungen des Mittelalters ist die Bienenpflege durchaus bekannt gewesen. Aus der neueren Zeit wissen wir, daß bei der Volkszählung 1880 in Goisern 341 Stöcke, 1890 488 und 1900 532 Stöcke gezählt worden sind. Es war also eine stetige Zunahme zu verzeichnen.

 

Jetzt machte sich auch bei einer Anzahl unserer Imker der Wunsch und das Bestrebengeltend, sich zusammen zu finden, um in Gemeinschaft der Bienenpflege zu obliegen und die Interessen der Bienenzüchter im öffentlichen Leben wirkungsvoll zu vertreten. Dies wäre einem einzelnen Imker ja nicht möglich gewesen.

War einst zur Zeit der Hörigkeit und Gebundenheit der Untertanen gegenüber den verschiedenen grundherrschaftlichen Obrigkeiten die Frage eines persönlichen freien Zusammenschlusses der Bienenhalter nicht aktuell, so wurde dieselbe in den folgenden Zeiten als der Einzelne persönlich freier Staatsbürger geworden war, wirklichkeitsnahe wie so mancher andere Zusammenschluß, der durch ein Vereinsgesetz geregelt war. Dies war zum Beispiel bei den verschiedenen Selbsthilfevereinen der Fall.

 

In Goisern ist ein Zusammenschluß später erfolgt als in Bad Ischl und Obertraun, doch schloss sich bereits jenen Ortsgruppen eine kleine Anzahl von Goiserern an. Im Jahr 1901 ist dann in Goisern selbst das Bestreben nach Bildung einer eigenen Ortsgruppe zur Tat gebracht worden.

 

Einzelne Männer wie besonders Gottlieb Schnöll in Lasern und Johann Pilz - Gastwirt in Goisern - waren es, welche die Sache im Jahre 1900 in die Hand nahmen. 25 Mitglieder hatten sich schon bis Ende 1900 gemeldet, weitere 5 kamen dann noch bis zur gründenden Vereinsversammlung dazu.

 

Die gründende Vereinsversammlung fand am 18. August 1901 im Gasthaus des Arbeiter-Konsumvereines statt. Den Vorsitz führte dabei Hans Huemer als Vertreter der Zentrale. Weiters waren dabei anwesend - vom Bezirksverein Bad Ischl der Schriftführer Franz Voglhuber, der Kassier Lehrer Lazzeri, Lehrer Haber von Mitterweißenbach, Gärtner Theodor Klimm, Obmann Hinterer von Obertraun und Kassier Deubler. Zum Obmann wurde Pfarrer und späterer Dechant Johann Wielfert gewählt, welcher dieses Amt bis zu seinem Scheiden aus Goisern im Jahre 1918 geführt hat.

 

Weitere Obmänner waren:
Josef Kreuzhuber 1918 - 1932
Leopold Scheutz 1932 - 1941
Johann Neubacher 1941 - 1952
Leopold Scheutz 1952 - 1955
Johann Neubacher 1955 - 1962

 

Leopold Putz 1962 - 1972
Johann Rainer 1972 - 1980
Josef Stieger 1980 - 2009
Johann Gaisberger 2009 - 2016
Johann Gamsjäger 2016 -

1902 hörten die Bezirksvereine auf zu bestehen und die Ortsgruppen standen von da an direkt unter dem Zentralverein Linz. Im Jahr 1903 bildete sich die Ortsgruppe Untersee und trennte sich von Goisern ab. Der Verein entwickelte sich dann bis zum ersten Weltkrieg sehr gut, kam aber unter dem Selben fast zum Aussterben, da ja auch die Völker sehr unter der mangelnden Pflege und des Zuckermangels zu leiden hatten.

Im Jahr 1917 bekam ein Imker mit bis zu 5 Stöcken 1/2 kg Zucker, mit über 5 Stöcken 1 kg und mit 10 Völkern 1 1/2 kg zugewiesen. Ja so mancher Imker nahm schweren Herzens das Letztmögliche aus seinen Bienenstöcken heraus, um seinen Kindern eine kleine Zubusse für die mageren Jahre zu bieten. Da dann noch zusätzlich der Verein vom Landesverband aufgefordert wurde, Honig für die Verwundeten in den Spitälern zu spenden, ist gleich im ersten Kriegsjahr, welches noch dazu ein schlechtes Honigjahr war, der Stand der Völker ernstlich dezimiert worden.

Im Jahr 1911 wurde dann noch zum Leidwesen der Imker der verbilligte Zucker in Budweis von Tschechien in Beschlag genommen und die Ortsgruppe verlor dadurch den so dringend gebrauchten Zucker. Am 30. März 1919 richtete dann die Ortsgruppe den dringenden Appell an den Landesverband, Bienenzucker zu beschaffen, da sonst jede Hilfe zu spät kommt und auch die letzten Bienenvölker verhungern.

Durch den Krieg wurden die Imker und deren Völker stark dezimiert und erst im Jahr 1925 hatte sich der Verein wieder erholt. Die Alten sowie auch junge Mitglieder haben sich wieder zur Gemeinschaft zusammengefunden. Der Mitgliederstand wuchs bis 1933 auf 72 und bis 1935 auf 87 Mitglieder an.

Im Jahr 1936 war das erste Mal unser Mitglied, Herr Oberförster Moser, als Delegierter des Landesverbandes bei unserer Jahreshauptversammlung anwesend und hielt einen lehrreichen Vortrag. War bis 1938 das Wirken im Vereinsleben den Mitgliedern und ihrer Vertretung in hohem Grade vom Staat freigestellt, so wurde das in der Totalität des nationalsozialistischen Staates wesentlich anders. Alles wurde direkt unter staatlichen Einfluss und oberste Führung gestellt.

Von 1939 bis 1945 gab es daher auch keine Wahlen mehr. Die alten Funktionäre wurden von der Kreisleitung zwar bestätigt, neue aber von ihr ernannt. Neuerdings sind die Bienenvölker mangels an Pflege auf ein Minimum reduziert. Im ganzen war es jedoch am Anfang des zweiten Weltkrieges für die Bienenzucht besser bestellt, da jene Imker, die ihren Pflichtteil an Honig ablieferten, steuerfreien Zucker erhalten haben. Dieser war jedoch vegällt und dadurch für den menschlichen Genuss unverbrauchbar.

Aber es geht alles vorüber und sind auch viele Imker im Krieg gefallen - die Zeit heilt so manche Wunde. Waren nun die schwersten Kriegszeiten vorbei, so begann ab 1946 für sämtliche Imkervereine in ganz Österreich der stete Rückgang der Mitglieder. War es in den frühen 50iger Jahren die Wiederaufbauarbeit, so war es dann später die immer stärker werdende Motorisierung, die das Interesse an der Imkerei vermissen ließ. In der Ortsgruppe Bad Goisern sank der Mitgliederstand von 130 auf ca. 50 Mitglieder.

1988 erfasste die Bienenseuche "Varoatose" auch unser Gemeindegebiet. Es ist dem Verantwortungsbewußtsein und dem gemeinsamen Handeln aller Imkerkollegen zu verdanken, daß diese gefährliche Krankheit nicht zum Zusammenbruch der Bienenzucht in unserem Tal geführt hat.

1991 feierte die Ortsgruppe Bad Goisern ihr 90-jähriges Bestehen.

Im Dezember 1994 war der Beginn konkreter Gespräche über eine Belegstelle im inneren Salzkammergut, wenn möglich im Weissenbachtal in Bad Goisern. Da es 1993 schon Vorgespräche zwischen Dipl. Ing. Frühwirt und Obmann Stieger über eine ACA Belegstelle gegeben hat, konnte das Gespräch erfolgreich abgeschlossen werden. Die erste ACA Belegstelle OÖ war im Mai 1995 fertig und wurde am 8. Juli 1995 im Rahmen des 1. Österreichischen Carnica Tages feierlich eröffnet. An die 350 Züchter und Imker aus Deutschland, Südtirol und Österreich waren anwesend.

Im Mai 1998 wird Obmann Stieger in die OÖ Landesleitung berufen. Somit ist nach Oberförster Moser wieder ein Mitglied aus dem Salzkammergut in der Landesleitung.

1999 löste sich - nach 97-jährigem Bestand die Ortsgruppe Untersee auf und fast alle Mitglieder traten wieder der Ortsgruppe Bad Goisern bei. 2001 feierte die Ortsgruppe Bad Goisern das 100-jährige Bestehen.